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Fritz-Greve Gymnasium
Am Zachow 39 - 17139 Malchin
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Bewusst und trotzdem unbewusst – Unsere Zukunft gemeinsam gestalten

Mitten im Nirgendwo – Karnitz. Barfußlaufende Menschen, Unterkünfte in Containern, Gehwege aus Scherben und Flaschen in den Wänden – all das, was uns zuvor als fremd erschien. Ein Ort der wirkt, als wäre er von der Außenwelt abgeschirmt.Karnitz 1 2020

Am 12. September 2020 fand das Jugendkreativfestival am Projekthof Karnitz statt. Um 10 Uhr versammeln sich zahlreiche Schüler und Schülerinnen, unter ihnen einige, die noch nie zuvor an diesem Ort gewesen sind, in einer großen Halle zur Begrüßung. Von den LeiternInnen und OrganisatorenInnen, unter ihnen Isabel Contrino, Johanna Klauck, Cara Schulte, Oliver Never, Evan Sedgwick und Tim Jonas Urbanek, werden wir in die Absichten und den Ablauf der Veranstaltung eingewiesen. Um in die Thematik einzuführen wird dem Auditorium sowohl ein Vortragsvideo eines Wissenschaftlers sowie Livevorträge von Experten und ehrenamtlichen, aktivistischen Jungendlichen selbst, geboten. Hierbei werden Kommunikation, Bürgerinitiativen, die Veränderung des Zeitmanagements in einer Postwachstumsgesellschaft und die Vorstellung eines ökonomischen Kreislaufes thematisiert. Schon gleich bekommen wir mit, dass wir uns nicht nur um die Probleme der heutigen Zeit, sondern auch spezifisch um deren Lösungen eigenständig Gedanken machen müssen.

Direkt darauf sollen wir in Gruppen tätig werden und brandaktuelle Problematiken der heutigen Zeit zusammentragen. Dabei werden uns die Augen geöffnet und wir realisieren, dass wir etwas ändern müssen. Das wichtigste dabei ist, sich klare Ziele zu setzen und für diese bereit sein zu kämpfen! Helfen sollen uns diverse Workshops, in denen unter anderem Themen wie: eine Utopische Welt – wie könnte/sollte unser eigentlich grüner und blauer Planet in der Zukunft aussehen, ein Kreislauf der Wirtschaft oder aber auch eine alternative Wirtschaftsform – die Solidarische Wirtschaft, diskutiert werden.

Doch so viele Eindrücke und neugewonnene Erkenntnisse benötigen ihre Zeit, um verarbeitet zu werden. Eine Mittagspause kommt da gerade richtig. Zum Mittag, wie soll’s auch anders sein, wird eine herbstliche Kürbissuppe mit selbst hergestelltem Brot serviert. Diese schmeckt vorzüglich und regt unsere Kreativität und auch Motivation reichlich an. Wir tauschen uns eine Weile mit anderen Besuchern über den lehrreichen Morgen aus und vergessen dabei die Zeit.

Schon im nächsten Augenblick müssen wir eine Entscheidung fällen – welchen Workshop besuchen wir? Doch ein Entschluss fand sich schnell. Wir nehmen an einem weniger besuchten Workshop teil: Die Solidarische Wirtschaft, so der Name. Das erste Mal in unserem Leben kommt uns dieser Begriff zu Ohren und wir werden sofort neugierig. Was bedeutet diese Wirtschaftsform? Wie ist sie umsetzbar? Und wollen wir sie überhaupt umsetzen? All diese Fragen schwirren in unseren Köpfen umher und blieben nicht lange unbeantwortet. In den vorgesehenen Räumlichkeiten des Workshops angekommen, mussten wir nicht lange auf die Einführung warten. Leiter des Kurses Bettina Müller und Dario Farcy sorgen für ein gegenseitiges Kennenlernen, in Form einer kurzen Vorstellungsrunde. Die Geschichte Dario‘s weckte sofort unsere Aufmerksamkeit, worauf wir später noch zurückkommen werden.

Um in das Thema der Solidarischen Wirtschaft einzuführen werden ein weiteres Mal Probleme von ausgesprochen großer Aktualität zusammengestellt. Lobbyismus, Chancenungleichheit, Gruppenzwang und Anhäufung von Reichtum sind nur einige von vielen der gesammelten Begriffe. Alles Probleme, die für eine kleine Gruppe, geschweige denn für die Einzelperson, unumgehbar scheinen. Doch blickt man über den Tellerrand hinaus, so lassen sich Lösungen für diese Problematiken finden. Grundlage dessen kann jedoch ausschließlich eine Umstrukturierung von Gesellschaft und Wirtschaft sein. Hier kommt die vorher genannte Wirtschaftsform ins Spiel, welche nicht auf das private Kapital der verschieden Firmen, sondern primär auf ein gemeinsames Eigentum und Lokalität der Firmen wert legt.

Karnitz 2 2020In den eingeteilten zwei Gruppen liegt es nun daran, ein Schema zu entwickeln, welches der heutzutage etablierten kapitalisierten Wirtschaft eine bürgernähere Alternative bietet. Nicht immer kamen wir gedanklich mit, während der Gruppenarbeit. Zu fachwissenschaftlich waren Begriffe und Denkmotive. Mit dem Ergebnis, was daraufhin in der großen Gruppe zusammengestellt wurde, konnte sich jedoch ein Großteil identifizieren. Eine Umverteilung der Rollen innerhalb der Firmen, mit keinem direkten Oberhaupt, jedoch im Gegenzug vielen kleinen gemeinsamen Führungsrollen waren hierbei von großer Bedeutung.

Alternativen wie zum Beispiel die SoLaWi – eine Solidarische Landwirtschaft, wie sie unter anderem in Mecklenburg – Vorpommern selbst vielerorts vertreten ist, mit diversen Kleinbauern, welche unter Handarbeit ihre eigenen Produkte vermarkten. Dazu aber auch Konsum- und Produktionsgenossenschaften, wie SuperCoop in Berlin, geben uns Grund zum Nachdenken über eine verbesserte Wirtschaftsform. Sie sind sogar schon neben dem Kapitalismus vertreten und versuchen ihm die Stirn zu bieten.

Zum Abschluss des Lehrganges bewegte uns die Geschichte Dario Farcy’s, welcher aus Buenos Aires, Argentinien stammt. In der Vergangenheit verbrachte er einige Jahre in seinem Heimatland und unterstütze Firmen der Region. Dort ist die Form der solidarischen Wirtschaft verbreiteter als in der Bundesrepublik. Aufgrund der verbreiteten Armut des Landes in Südamerika, bat die solidarische Wirtschaft eine Alternative für kleine Firmen, um nicht im großen System unterzugehen. Diese Angelegenheit stellte sich für uns ebenfalls sehr komplex dar, weswegen wir nicht den gesamten Teil der Erzählung und den Ausschnitt des Filmes „REpresente“ von Fracy verstanden. Klar erschien uns jedoch die Lage seines Mutterlandes und die Bedeutung der neuen Wirtschaftsform. Mit diesem Beitrag verabschiedet man uns und hinterlässt Spuren in unseren Köpfen. Bewusster, mit dem Blick auf Alternativen, werden wir durch unsere Gegenwart gehen.

Bei Kaffee und Kuchen werten wir im Anschluss die Erarbeitungen aller Arbeitsgruppen aus. Vielseitig gestalten sich dabei die Vorträge der einzelnen Gruppenmitglieder.

Der Tag am Projekthof neigt sich allmählich dem Ende zu, doch die Gedanken und Anregungen verfolgen uns weiter. Wie nahe doch ökonomischere Wege liegen und wie bedrohlich es nicht nur um den Planeten als solches, sondern auch um die Gesellschaft steht, hatten wir vorher nicht zu denken vermocht. Mit einem positiven und gleichzeitig kritischen Blick auf unsere gemeinsame Zukunft verlassen wir gegen vier Uhr am Nachmittag die abgelegene Ortschaft Karnitz und freuen uns wiederzukehren.

Lotte Röseler & Joseph Berteit

Design und Programmierung | Medienagentur Warkentin