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Fritz-Greve Gymnasium
Am Zachow 39 - 17139 Malchin
gymnasiummalchin@t-online.de
03994 227205

„Sie schauten sich tief in die Augen, nur wartend, dass einer angreife. Ich wusste nicht, wie ich meinem Großvater helfen konnte, erstarrte vor Angst. Der Eisbär wich langsam einen Schritt zurück“.

Ein Textauszug, entstanden während einer Kontaktaufnahme zwischen Jugendlichen, die einen in der 10c am Malchiner Gymnasium, die anderen in der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz.

Gymnasium und JVA - im Austausch via Sprache, Literatur? Ja, schon vor der Zeit der Schulschließungen konzipiert und von einem Schriftsteller begleitet. Michael Stavaric, Jahrgang 1971, schreibt Romane, Gedichte, Essays, Kinderbücher. Schon 2018 inspirierte er Zwölftklässler des FGG während eines Workshops zum kreativen Schreiben. Im Anschluss las er in der Haftanstalt Hohenleuben, reiste dann zur Leipziger Buchmesse. Das Fazit seiner Reportage hatte mich beeindruckt: Nicht nur rote und blaue Sofas, sondern mehr Lesungen an Schulen und in Haftanstalten.

Die Schulschließung im Frühjahr 2020 brachte Unsicherheiten, aber auch eine neue kreative Art zu schreiben hervor. Obwohl die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben mussten, trafen sie sich auf einer digitalen Oberfläche mit ihren Texten und Wortneuschöpfungen, die der Autor – aus Wien – ermunternd kommentierte, Querverweise zu Bildern und Musik zog.

Und die Jugendlichen in der JVA? Keine Smartphones, keinerlei digitale Technik erlaubt. So war im Frühjahr mein persönlicher Besuch als „Briefzustellerin“ notwendig und glücklicherweise viermal erlaubt. Das Weiterschreiben zu phantastischen Orten und Gegenständen, zu Impulsen, die Michael Stavaric gab, fand auch hier Anklang. Angebunden an seinen neuen Roman „Fremdes Licht“ reizte die bizarre, unwirkliche Atmosphäre auf einem vereisten Planeten zu Phantasiereisen.

Texte auszutauschen, motivierte zum Weiterschreiben und sogar Musik zu möglichen Klängen in einer geheimnisvollen blauen Eishöhle wurde komponiert. Diese stimmte auch auf die Schreibwerkstatt am Gymnasium ein, zu der Michael Stavaric im August 2020 anreisen konnte, neue Impulse zu Schreibexperimenten gab.

FreiWort 1 FreiWort 2

Die Lesung in der JVA am darauffolgenden Tag bildete einen Rahmen für das Projekt. Unverzichtbar für alle Seiten – so eine persönliche Begegnung nach dem Austausch über Bildschirmoberflächen oder Briefe. Jugendliche, die sich in Haft befinden, direkt zu treffen – das polarisiert natürlich und nicht jede/r ist dazu bereit, die Perspektive zu ändern. Die mitgereisten Schülerinnen staunten, wie neugierig und aktiv die Inhaftierten nach Lebenswegen und Schreibmotivationen nachfragten, besitzen nun einen Einblick in den Alltag in einer JVA. Die Sozialarbeiterin des FGG, Franziska Müller, und die Seelsorger und Sozialarbeiter in der JVA begleiteten alles hervorragend.

Die unterschiedlichsten Geschichten und Ideen zur Spannungssteigerung sind nun auch in Druckform dokumentiert. Die Broschüre ist kostenlos in der Stadtbibliothek Malchin, deren Förderverein das Projekt unterstützte, erhältlich (geöffnet: montags, dienstags und donnerstags 13-18 Uhr). Die Beteiligten bedanken sich auch für die finanzielle Unterstützung durch die Ehrenamtsstiftung MV e.V. und den Förderverein des FGG.

Der Titel der Broschüre: „Frei – Wort“: Wir können der Sprache vertrauen, denn unabhängig von räumlichen Begrenzungen kann sie uns trösten, warnen, ermuntern und zwar mit unbegrenzter Haftung!

H. Locher

Deutsch – und Kunstlehrerin am Gymnasium Malchin

 

Design und Programmierung | Medienagentur Warkentin